Eine "Hurmage"

anlässlich 20 Jahre städtisches Kunstmuseum Ölmühle

Magische Momente in rund 220 Ölbildern, Materialbildern, Zeichnungen und Stelen von Künstler und Ehrenbürger Karl Hurm seit 20 Jahren in der Ölmühle. Von Wilfried Selinka

Haigerloch feierte am Sonntag, 29. April 2018, zusammen mit Künstler Karl Hurm und zahlreichen Kunstfreunden aus nah und fern den 20. Geburtstag des Städtischen Kunstmuseum Hurm in der Ölmühle. Ein wunderschöner Frühlingstag mit Fiederduft von Hängen war diesem Kunstevent beschieden. Diese Wonne spiegelte sich auch in den Gesichtern der zahlreichen Gäste aus der Stadt, Kunstfreunden und Sammlern aus nah und fern wider. Der Andrang war so groß, dass im großen Saal nicht alle Besucher Platz finden konnten und mnache die „Hurmage“ im Freien miterleben mussten.

Ihnen allen und Künstler Karl Hurm mit seiner Familie sowie Landrat Günther-Martin Pauli entbot Bürgermeister Heinrich Götz bei der Matinee in der Ölmühle ein herzliches Willkommen und dankte gleichzeitig dem Ensemble des Musikvereins Weildorf für die musikalische Umrahmung.

Haigerloch könne sich glücklich schätzen, im Städtischen Kunstmuseum seit zwei Jahrzehnten den wunderbaren Werken des nicht minder wunderbaren Karl Hurm ein Zuhause bieten zu können, an denen sich in dieser Zeit unzählige Menschen aus nah und fern erfreuen konnten. Auch der begeisterte Kunstlaie erfreue sich an der unbedingten Leidenschaft des Künstlers und dieser Kunst der naiven Malerei des Surrelalismus.

So schaffe es Karl Hurm mit seiner leidenschaftlichen Akribie und großem Können, den Betrachter stets auf Neue zu begeistern, denn mit unglaublicher Konsequenz ließen sich in seinen Werken immer wieder kleine und feine Details entdecken, die in ihrer plötzlichen Gegenwärtigkeit beinahe magisch wirkten. „In weit über 200 Ausstellungen haben die Bilder von Karl Hurm die Menschen in vielen Städten und Ländern eben diese Magie mittlerweile erleben lassen“, so Götz. Vor allem mit seiner „üppigen Rothaarigen“, gibt der Künstler dem sprichwörtlien Roten Faden seiner Bilder ein Gesicht. Bürgermeiser Heinrich Götz dankte für die Großzügigkeit von Karl Hurm namens der Stadt, dem er alle im Museum ausgestellten Bilder stiftete. „Die Besucherzahlen und die begeisterten Gästebucheinträge belegen es, wie viele Freude die Bilder den Menschen schenken“.

Pivat-Dozent und Kunsthistoriker Ralf Michael Fischer war es vorbehalten, das Kunstoevre von Karl Hurm zu würdigen und mit den Gästen eine Reise durch die Bildwelten des Künstlers in der Ölmühle zu machen. Dabei stellte er plastisch den Zuhörern das Bild mit dem Titel „Der Vermesser“ vor Augen, eines der über 200 Werke von Karl Hurm von den Anfängen des Künstlers um 1970 bis in die heutige Zeit. Die Werke Hurms bezeichnte der Kunsthistoriker an der Eberhad Karls Universität Tübingen als „surreal, magisch realistisch, zum Teil auch als kubistoid oder besonders prominent als naive Kunst“.

Mit ihrer oft überbordenden Deitailfülle, mit iher skurrilen Figuren und ihren phantastischen-traumhaften Szenerien sind sie Provokation im positiven Sinn für das Auge, den Karl Hurm fordert sein Publikum mit dieser Strategie dazu heraus zu entschleunigen und seine doppelbödigen Bilder aufmerksam zu erkunden, wobei sie der Betrachter in seiner eigenen Phantasie weiterspinnen und ausgestalten kann. „Wir müssen bei den Bildern von Karl Hurm lernen, aufmerksamer und kreativer hinzuschauen“. Karl Hurms Kreativität ist zu ungebändigt und zu sehr im Fluss, um in schematischer Langeweile zu erstarren.

So sagt Karl Hurm selbst: „Ich muss meine Phantasie walten lassen, die Realität passst nicht in die Komposituion“. Seit den Neunziger Jahren kommt noch eine erstaunliche Entwicklung des Künstlers hinzu: „Er wandelt nicht mehr benutzte Alltagsgegenstände und Müll, wie Kronkorken, Blechdosen, Ofenklappen und viel weitere zum Teil verrottete Gegenstände in seiner ungebremsten Kreativität in Kunstwerke um. Daraus ist durchaus künstlerische Kritik an der Konsum- und Wegwerfgesellschaft zu erkennen.

Eines war dem Kunsthistoriker im Blick auf die Zuordnung Hurms zu den so genannten „Naiven Künstlern“ besonders wichtig festzustellen: „Die Bilder von Karl Hurm haben die wesentlichen Oualitäten von überzeugenden Kunstwerken, da sie einen neuen Blick auf die Realtität gestatten, einem abgestumpftem Sehen und Denken entgegenwirken und eine neue Aufmerksamkeit und eine neue Sensibiliät vermitteln. Sie sind eindeutig Werke, die der Kunstsphäre zuzuordnen sind und laden nicht ohne ein Prise Ironie zum aufmerksamen und kreativen Hinschauen ein. Sie sind es, um es mit den Worten des Künstlers zu definieen „Id besser – aber andersch“.

Karl Hurm bedankte sich zum Schluss, bei allen Gästen, besonders bei Altbürgermeister Roland Trojan und Architekt Hermann Sauter für die Verwirklichung des Kunstmuseums, bei Bürgermeister Heinrich Götz für die Ausrichtung der Matineeveranstaltung und die Verwirklichung eines Filmes zum 80 Geburtstag, dem städtisichen Kulturbüro und seiner Familie für die stete Unterstüzung. Ein Bildgeschenk einer Bleistiftzeichnung an die Stadt war der äußere Dank. Ein Stehempfang im Freien schloss sich der Matineeveranstaltung an.

Bild:

20 Jahre Städtisches Kunstmuseum Karl Hurm in der Öhlmühle: Ein übervoller Saal von Weggefährten und Kunstfreunden zeugt von der Beliebtheit des Haigerlocher Ehrenbürgers und Weildorfer Künstlers Karl Hurm, auf unserem Foto rechts mit einer seiner Töchter.